„Zurückkehren“: Der letzte Abend der Migration Matters Film & Talk Serie

von Artem Havryliuk

Der dritte und letzte Abend der Migration Matters Film & Talk Serie fand am 27. Januar statt und bildete den Abschluss der Reihe, die sich mit drei zentralen Dimensionen von Migration auseinandergesetzt hat: GEHEN, BLEIBEN und ZURÜCKKEHREN.

Nach zwei Abenden zu den Themen GEHEN und BLEIBEN rückte die Abschlussveranstaltung die Rückkehrmigration in den Fokus – ein Thema, das häufig stark vereinfacht dargestellt wird, in Wirklichkeit jedoch von komplexen Fragen nach Entscheidungsspielräumen, Zwang, Erinnerung und Zugehörigkeit geprägt ist.

Die ausverkaufte Veranstaltung im Yorck Kino in Berlin-Kreuzberg eröffnete mit einer Auswahl kurzer Videos aus der Reihe „Rethinking Return Migration“ von Migration Matters. Die Videos entstanden im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts GAPs, an dem Migration Matters in den vergangenen drei Jahren beteiligt war. Durch die Kombination aus Straßeninterviews in Berlin sowie Perspektiven von Forschenden und Migrant*innen boten die Filme einen niedrigschwelligen und zugleich differenzierten Einstieg in die vielschichtigen Realitäten von Rückkehrmigration.

Ruth Vollmer (BICC) teilte zentrale Erkenntnisse aus ihrer Migrationsforschung.

Anschließend folgte ein Input sowie eine Diskussion mit Ruth Vollmer vom Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC). Sie teilte zentrale Erkenntnisse aus ihrer Forschung zu Rückkehrmigration und betonte, dass Rückkehr entlang eines Spektrums von Zwang stattfindet. Sogenannte „freiwillige“ Rückkehr ist nicht immer tatsächlich freiwillig – insbesondere dann, wenn Menschen keine realen Wahlmöglichkeiten oder Handlungsspielräume haben. Einige der von ihr interviewten Personen entschieden sich letztlich zwar selbst zu gehen, beschrieben ihre Erfahrung jedoch dennoch als Abschiebung, da der Druck und die Umstände ein Bleiben unmöglich machten. Zudem hob Ruth hervor, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung von Rückkehr ist: Erfolgreiche Rückkehr und Reintegration hängen oft von vorhandenen Ressourcen, unterstützenden Strukturen und realistischer Planung ab.

Bernadette Klausberger (MM) & Ruth Vollmer

Nach dieser eindrücklichen Einführung wurden zwei Dokumentarfilme gezeigt. Der erste Film, Born in Damascus von Laura Wadha, basiert auf altem Familienvideomaterial, das während Reisen nach Syrien vor dem Krieg aufgenommen wurde. Die Bilder zeigen eine Zeit, bevor Familien auseinandergerissen und Häuser zerstört wurden, und vermitteln eindringlich das Gefühl einer friedlichen Heimat, zu der es kein wirkliches Zurück mehr gibt. Im Film nimmt Laura wieder Kontakt zu ihrer Cousine auf, die heute in Kanada lebt und darüber reflektiert, wie ihre Erinnerungen an Syrien verblasst sind – das restaurierte Filmmaterial wirkt auf sie beinahe fremd, als gehöre der Ort, den sie einst Heimat nannte, nicht mehr vollständig zu ihr.

Der zweite Dokumentarfilm des Abends, „Distilled“ von Christopher Larson, erzählt die Geschichte von Asmir. Er war 15 Jahre alt, als der Krieg in Jugoslawien begann. Als Jugendlicher floh er in einer geheimen Aktion nach Deutschland – mit nichts weiter als einer Plastiktüte mit seinen persönlichen Habseligkeiten. Siebenundzwanzig Jahre später hat Asmir sich in Berlin ein Leben als Unternehmer aufgebaut: Er brennt seine eigenen Spirituosen und betreibt eine Bar in der Stadt. Lange Zeit spielte die Frage seiner Herkunft in seinem Alltag kaum eine Rolle. Der Film begleitet Asmirs erste Rückkehr in seine Heimat, bei der der Besuch seines alten Hauses und die Konfrontation mit lange verdrängten Erinnerungen ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit auslösen – und davon, nicht länger „der Andere“ zu sein.

Podiumsdiskussion mit Christopher Larson, Asmir und Ruth Vollmer

Im Anschluss an die Vorführungen nahmen Filmemacher Christopher Larson und Asmir gemeinsam mit Ruth Vollmer an einer Podiumsdiskussion teil. Sie sprachen über die Entstehung von „Distilled“ sowie über die emotionalen und praktischen Herausforderungen von Rückkehrmigration. Auch das Publikum war eingeladen, Fragen zu stellen und sich an der Diskussion über die Schwierigkeiten von Auswanderung, Rückkehr und Reintegration zu beteiligen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die diese Film & Talk Series möglich gemacht haben – bei unseren Referent*innen, Filmemacher*innen, Partner*innen, der Yorck Kinogruppe sowie bei allen Besucher*innen, die mit uns in den Kinos waren. Die überwältigend positive Resonanz auf die Reihe hat gezeigt, wie wichtig und aktuell diese Gespräche sind. Wir hoffen, auch in Zukunft Räume für Austausch und Dialog über Migration durch Film schaffen zu können.

Von links: Christopher Larson, Bernadette Klausberger, Ruth Vollmer, Asmir, Sophia Burton

Ein besonderer Dank gilt außerdem der Deutschen Postcode Lotterie, deren Unterstützung die Migration Matters Film & Talk Series ermöglicht hat.