„Bleiben“: Migration Matters Film & Talk Event

Publikum bei der Filmevent „Bleiben“ von Migration Matters

Am 4. Dezember veranstaltete Migration Matters den zweiten Abend seiner dreiteiligen Reihe „Migration Matters Film & Talk”, diesmal zum Thema „BLEIBEN”. Die ausverkaufte Veranstaltung im Rollberg Kino in Berlin-Neukölln lud das Publikum ein, sich mit Fragen von Zugehörigkeit, Solidarität und den Bedingungen, die darüber entscheiden, wer in Europa bleiben darf, auseinanderzusetzen. Erneut verband der Abend eine Filmvorführung mit fachlichen Impulsen von Expert*innen sowie Raum für Diskussionen mit dem Publikum.

L'histoire de Souleymane Plakat im Rollberg Kino

Der Spielfilm „L’histoire de Souleymane” bot einen eindrücklichen Zugang zu den Lebensrealitäten von Migrant:innen in europäischen Städten. Er erzählt die Geschichte von Souleymane, einem jungen Mann aus Guinea, der versucht, sich in Frankreich ohne gültige Papiere ein neues Leben aufzubauen. Er arbeitet als Fahrradkurier unter prekären Bedingungen, rast Tag und Nacht durch Paris, leiht sich Identitäten, um arbeiten zu können, und übernachtet in Notunterkünften. Gleichzeitig rückt ein entscheidender Moment näher: In 48 Stunden hat er sein Asylinterview, in dem die Erzählung seiner Vergangenheit darüber entscheidet, ob er Schutz erhält oder abgeschoben wird.

Der Film zeigt an drei intensiven Tagen die Härten des Ankommens, die Abhängigkeit von der Gig Economy und den Kampf ums Bleiben – Erfahrungen, die viele Migrant*innen in Europa teilen. Hauptdarsteller Abou Sangaré, der selbst keinen offiziellen Aufenthaltsstatus hat, liefert eine beeindruckende Performance, für die er sowohl beim Filmfestival in Cannes als auch bei den European Film Awards ausgezeichnet wurde.

Referenten bei der Film- und Diskussionsveranstaltung „Bleiben“ von Migration Matters

Von links: Bernadette Klausberger (Migration Matters), Prof. Manuela Bojadžijev (Berliner Institut für Migrationsforschung), Aju John (Aktivist/Forscher), Sophia Burton (Migration Matters)

Vor der Vorführung begrüßte Bernadette Klausberger (Migration Matters) das Publikum. Anschließend folgten fachliche Impulse von Prof. Manuela Bojadžijev (Humboldt-Universität zu Berlin und Berliner Institut für Migrationsforschung) sowie von Aju John (Aktivist, Jurist und Forscher). Gemeinsam gingen sie den zentralen Fragen nach, die der Film aufwirft.

  • Was entscheidet darüber, ob eine Person in Europa bleiben darf?

  • Wie beeinflussen Migrationsnarrative Asylentscheidungen und wo verläuft die Grenze zwischen Anerkennung und Ablehnung?

  • Wie verhalten sich Fiktion und Dokumentation in Filmen über Migration zueinander?

  • Welche Aspekte der Migrationsdebatte werden in Europa zu wenig thematisiert? Solidarität, soziale Gerechtigkeit oder die Alltagsrealitäten, die durch prekäre Arbeit und ungleiche Stadtstrukturen geprägt sind?

Aju John und Manuela Bojadžijev

Prof. Manuela Bojadžijev und Aju John beim Film & Talk Abend „Bleiben“

Prof. Bojadžijev knüpfte an ihre umfangreiche Forschung zu Narrativen von Migration und sozialem Wandel an und gab Einblicke in das Projekt „Transforming Solidarities”. Aju John teilte sowohl persönliche als auch forschungsbasierte Perspektiven zu migrantischen Lieferarbeiterinnen in Europa. Sie zeigte auf, wie Plattformarbeit, informelle Beschäftigung und unsichere Aufenthaltsverhältnisse das Leben vieler Migrantinnen prägen.

Das Publikum setzte sich intensiv mit dem Film und den Diskussionsimpulsen auseinander. Viele beschrieben den Abend als bewegend und augenöffnend und betonten, dass er ein wichtiger Anlass sei, über die menschlichen Realitäten hinter Migrationsdebatten nachzudenken.

Für alle, die weiter in das Thema eintauchen möchten:

Ein herzlicher Dank gilt unseren Gästen Prof. Manuela Bojadžijev und Aju John, unseren Partnern der Yorck Kinogruppe und der Deutschen Postcode Lotterie sowie allen, die diesen eindrucksvollen Abend mit uns gestaltet haben.

Die Film & Talk Reihe endet am 27. Januar 2026 mit dem dritten Abend zum Thema ZURÜCKKEHREN.

Fotos: Allan Whyte