THEMENABEND : ZURÜCKKEHREN
Distilled // Born in Damascus // 'Migration Matters' Kurzfilme
Kurzfilmprogramm (60min)
Dienstag, 27. Januar 18.00h
Yorck Kino, Berlin
Wie fühlt es sich an, nach langer Zeit zurückzukehren?
Will ich zurück, weil ich muss – oder weil ich es will?
Migration wird oft als Reisen in ein neues, unbekanntes Land verstanden. Dabei meint Migration für viele Menschen auch die Rückkehr in ein ihnen vertrautes Land, ihre alte Heimat. Ob Rückkehr überhaupt eine Option ist, man sich freiwillig dazu entscheidet oder aber gezwungen ist, zurückzukehren: Das Thema Rückkehr umfasst eine große Bandbreite an Fragen zu Herkunft und Zugehörigkeit, Integration, Identität, kulturellen und sozialen Prägungen. Der Themenabend zeigt unterschiedliche persönliche Perspektiven aus Syrien, Ex-Jugoslawien und Afghanistan.
Distilled (Dokumentarfilm, 23min, D 2024) von Christopher Larson
Asmir war 15 als in Jugoslawien der Krieg begann. Als Jugendlicher ist er in einer Nacht- und Nebelaktion, und nur mit einer Plastiktüte voller persönlicher Dinge nach Deutschland ausgewandert. Das ist 27 Jahre her. In Berlin ist er groß geworden, hat sich ein Leben als Unternehmer aufgebaut: Er destilliert eigene Spirituosen, betreibt eine Bar in der Stadt und hat viele Ideen, wie er sich und sein Business weiterentwickeln möchte.
Durch sein bewegtes Leben in Berlin blieb die Frage nach der Herkunft – der alten Heimat – für Asmir lange im Hintergrund. Und doch ist das „Was wäre, wenn ich zurückgehen würde“ für viele Migranten zumindest als Gedankenspiel stets präsent: Was, wenn ich zurückkehre und niemand mehr im Heimatort ist, den ich kenne? Was, wenn sich alles verändert hat und sich gar nichts mehr vertraut anfühlt? Können Wurzeln durch eine lange Abwesenheit einfach verschwinden?
Born In Damascus (Kurzfilm, 15min, UK 2021) von Laura Wadha
Wie verändert die Distanz – örtlich und zeitlich – die Beziehung zu einem Ort? Die junge Filmemacherin Laura Wadha, geboren in Damaskus, ist zu Kriegsbeginn in Syrien im Jahr 2011 ausgewandert. Seither sind sie und ihre Familie über die ganze Welt verstreut. Sie selbst lebt in Schottland, ihre Cousine Lujain in Kanada. Nach mehr als 15 Jahren Leben in der Ferne, versuchen die beiden in Videocalls und gemeinsamen Erinnerungen wieder eine Verbindung zu ihrer gemeinsamen Familiengeschichte aufzubauen. Eine sehr persönliche Annäherung an das, was einmal Zuhause war: Syrien.
Im Anschluss an die Kurzfilme „Born In Damascus“ und „Distilled“ werden Videos aus dem aktuellen EU Forschungsprojekt GAPs – Decentring the study of migrant returns and readmission policies in Europe and beyond und der von Migration Matters e.V. produzierten Themenreihe zu „Return Migration“ vorgestellt.
Der Themenabend ZURÜCKKEHREN verbindet Film, Gespräch mit Protagonist Asmir und Filmemacher Christopher Larson, Diskussionsimpuls von Migrationsexpertin Ruth Vollmer (Bonn International Centre for Conflict Studies) und einen Wissens- und Erfahrungsaustausch im Publikum.
Dienstag, 27. Januar 18.00 – 20.00 Uhr im Yorck Kino
Im Anschluss Filmgespräch mit Regisseur Christopher Larson und Protagonist Asmir
Christopher Larson ist Dokumentarfilmemacher. In seiner filmischen Arbeit beschäftigt er sich mit Themen wie Identität, Zugehörigkeit und Resilienz. Sein Film The Fisherman’s Net (hier online ansehen) wurde beim Bristol Independent Film Festival als Bester Kurz-Dokumentarfilm und als Beste Charakterstudie (Filmhaus Berlin) ausgezeichnet. Sein aktuelles Werk Distilled erhielt den Preis für die Beste Dokumentation beim Berlin Indie Film Festival. Mit jedem Projekt versucht Christopher Stimmen hörbar zu machen, die sonst oft ungehört bleiben – stets mit Ehrlichkeit, Demut und Sorgfalt.
Diskussionsimpulse von Gästen
Ruth Vollmer
Ruth Vollmer, Bonn International Centre for Conflict Studies
Ruth Vollmer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc). Seit 2019 erforscht sie aus empirisch-qualitativer Perspektive wie Prozesse von Rückkehr und Reintegration in der Praxis von verschiedenen Akteuren gestaltet werden und wie sie sich in den Lebenswelten von Migrant:innen auswirken. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf Albanien, Kosovo, Nordmazedonien und Deutschland.
WATCHLIST / LESEEMPFEHLUNGEN
Nach dem Film / Mehr verstehen:
Du willst mehr zu den angesprochenen Themen des Abends wissen: hier eine kleine Auswahl von Migration Matters Videos, die dich interessieren könnten:
Unsere neue Migration Matters Reihe hat ein EU Forschungsprojekt zu Rückkehrmigration über 3 Jahre (2023-2026) begleitet und gibt Einblick in aktuelle Forschungsfragen, Lücken zwischen Politik und Praxis und persönliche Geschichten von Rückkehrern. Kurze Videos, die Überblickswissen und grundlegende Begrifflichkeiten vermitteln.
Nach dem Film / Mehr sehen:
Filme mit starken Migrationsgeschichten, die wir empfehlen – du findest sie auf Streaming Plattformen online bzw. direkt unter dem Filmtitel-Link:
Wie verändert die Distanz – örtlich und zeitlich – die Beziehung zu einem Ort? Die junge Filmemacherin Laura Wadha, geboren in Damaskus, ist zu Kriegsbeginn in Syrien im Jahr 2011 ausgewandert. Seither sind sie und ihre Familie über die ganze Welt verstreut. Sie selbst lebt in Schottland, ihre Cousine Lujain in Kanada. Nach mehr als 15 Jahren Leben in der Ferne, versuchen die beiden in Videocalls und gemeinsamen Erinnerungen wieder eine Verbindung zu ihrer gemeinsamen Familiengeschichte aufzubauen. Eine sehr persönliche Annäherung an das, was einmal Zuhause war: Syrien.
und der Vorgängerfilm der Regisseurin Laura Wadha: FLIGHT (2017, Kurzfilm, 10min)
2025, Deutschland, Sulaiman Tadmory, Katharina Schiele, Jonas Schreijäg, Robert Bongen
NDR Panorama Doku, 29min
Sulaiman Tadmory floh 2015 vor dem Krieg in Syrien. Nun ist Diktator Assad weg, der Krieg vorbei – und Panorama-Journalist Tadmory steht wie Tausende Syrer vor der Frage: zurückgehen oder in Deutschland bleiben?
In Syrien stürzen nach mehr als 13 Jahren Bürgerkrieg Rebellen das Regime des Diktators Baschar al-Assad. Kurz darauf wagt der Deutsch-Syrer Mohammad „Mo“ Rabie eine Reise zurück in seine alte Heimat. Er möchte seine Familie sehen, seinen verschollenen Bruder Ahmad suchen und herausfinden, wo seine Zukunft liegt. In Syrien oder doch in Deutschland?
Diese Reportage untersucht die prekäre Lage syrischer Flüchtlinge, die zunehmendem politischen und sozialen Druck ausgesetzt sind, nach Syrien zurückzukehren. Trotz der Rhetorik von „Sicherheitszonen” und der Stabilisierung des Assad-Regimes deckt der Film die Gefahren der Abschiebung und das fragwürdige Konzept der „freiwilligen Rückkehr” in ein Land auf, das nach wie vor von Verfolgung und dem wirtschaftlichem Zusammenbruch geprägt ist.
Der Film untersucht kritisch die Geopolitik der „Zurückweisung“ und die Normalisierung der Beziehungen zu diktatorischen Regimes zum Zwecke der Migrationskontrolle. Er hinterfragt die europäische und regionale Darstellung, dass der Syrienkonflikt „vorbei“ sei, und liefert Beweise dafür, dass die Einstellung der aktiven Kampfhandlungen nicht gleichbedeutend mit Sicherheit ist. Der Dokumentarfilm dient als Korrektiv und argumentiert, dass der Druck zur Rückführung von Flüchtlingen oft eher durch innenpolitische Agenden in den Aufnahmeländern als durch eine echte Verbesserung der Menschenrechtslage in Syrien motiviert ist.
2018, Australien/Frankreich, David Fedele & Kumut Imesh
Dokumentation, 77min
Kumut Imesh, ein in Frankreich lebender Flüchtling aus der Elfenbeinküste, kehrt auf den afrikanischen Kontinent zurück, um die Reise nachzuvollziehen, die er vor Jahren unternommen hat, um nach Europa zu gelangen. Diesmal reist er jedoch in umgekehrter Richtung und mit einer Kamera in der Hand. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur David Fedele dokumentiert Kumut die Geschichten derjenigen, die derzeit die Überfahrt wagen, und bietet so eine einzigartige „Insider”-Perspektive auf die Migrationsroute.
REVENIR ist partizipatives Kino: Indem Zumut selbst dokumentiert, durchbricht der Film die traditionelle Machtdynamik, in der ein Betroffener von einem westlichen Filmemacher beobachtet wird. Kumut ist kein Informant, sondern der Erzähler und Autor des Films. Der Film dekonstruiert die lineare Erzählung der Migration (Abreise-Ankunft-Integration) und zeigt sie stattdessen als zyklisches System menschlicher Mobilität. Er problematisiert auch das Bild von der „Rückkehr“ des erfolgreichen Migranten und offenbart die Reibung zwischen Kumuts neuem Status in Europa und der harten Realität derjenigen, die noch zu Hause sind oder an den Grenzen gestrandet sind.
📚 Unsere Leseempfehlungen aus der Forschung über Rückkehrmigration:
Film-Empfehlungen zusammengestellt von Migration Matters Kollegin Raissa Baroni, Doktorandin an der Universität Turin, wo sie zum Thema „Migrant Mediascapes: Das Kino der Migration(en) als Medium für interkulturelles Verständnis im italienischen und deutschen Filmerbe (2011–2026)” forscht.