„Welche Note würden Sie dem deutschen Schulsystem geben, wenn es um Migration und Vielfalt geht? Innovation? Kolonialgeschichte?“
Diese provokante Frage setzte den Ton für unsere erste Netzwerkveranstaltung im Bildungsbereich am 23. Februar — und für ein Gespräch, das von Anfang an sowohl kritisch als auch konstruktiv war.
Mit dieser Veranstaltung machte Migration Matters einen neuen Schritt, um Gespräche über Migration stärker mit dem Bildungssektor zu verknüpfen. Im International Alumni Center in Berlin brachte der Abend Teilnehmende aus Bildung, Zivilgesellschaft, Forschung, Förderinstitutionen und öffentlicher Verwaltung zusammen.
Im Zentrum der Veranstaltung stand eine Leitfrage: Wie erzählen wir Migration und Vielfalt — und warum ist das entscheidend für Bildung?
Um dieser Frage nachzugehen, luden wir drei Panelist:innen ein, deren Arbeit sich auf unterschiedliche, aber sich ergänzende Weise mit Bildung und Migration beschäftigt:
Manuela Mohr (Gründerin & CEO, Education Innovation Lab) konzentrierte sich auf strukturelle Transformation und die Notwendigkeit von Innovationen, die gelebte gesellschaftliche Realitäten widerspiegeln, statt überholten Systemlogiken zu folgen.
Greg Onwuegbuzie (Gründer, Deschoolonize) sprach über koloniale Kontinuitäten im Bildungssystem und stellte die Frage, wessen Wissen als legitim gilt.
Sophia Burton (Mitgründerin & Geschäftsführerin, Migration Matters) sprach über Migrationsnarrative in Medien und im öffentlichen Diskurs — und darüber, wie sie Wahrnehmungen und Lernumgebungen prägen.
Gemeinsam zeigten die Panelist*innen auf, wo wir derzeit stehen, wenn es um Migration und Vielfalt in der Bildung geht — und wo Veränderungen notwendig sind. Von der Transformation institutioneller Strukturen über die kritische Auseinandersetzung damit, wessen Wissen im Mittelpunkt steht, bis hin zur Neugestaltung von Narrativen mit mehr Nuancen und Kontext machte die Diskussion deutlich, dass Bildung nicht losgelöst von breiteren gesellschaftlichen Debatten existiert.

Moderiert von Yolanda Rother (The Impact Company) bewegte sich die Diskussion schnell über abstrakte Debatten hinaus. Schulen und Bildungseinrichtungen sind keine neutralen Räume; sie sind in politische, historische und gesellschaftliche Kontexte eingebettet. Wenn Migration und Vielfalt im öffentlichen Diskurs auf Gegensätze wie „Krise vs. Kontrolle“ oder „wir vs. sie“ reduziert werden, bleiben diese Vereinfachungen nicht nur in Schlagzeilen. Sie gelangen in Klassenzimmer, prägen institutionelle Kulturen und beeinflussen, wie junge Menschen sich selbst und andere verstehen.
Ein zentraler roter Faden des Abends war die Frage der Repräsentation: Welche Perspektiven stehen im Mittelpunkt? Welche Stimmen fehlen? Und wie kann Bildung darüber hinausgehen, Missverständnisse und Stereotype zu verstärken, und stattdessen Zugehörigkeit, Teilhabe und kritische Reflexion fördern?
Auf das Panel folgte eine offene Networking-Session, die den Teilnehmenden ermöglichte, den Austausch in kleineren Gruppen fortzusetzen. Erfahrungen wurden geteilt, Ideen diskutiert und neue Verbindungen über verschiedene Sektoren hinweg geknüpft. Dieser abschließende Teil des Abends machte deutlich, dass bedeutungsvolle Veränderungen Dialog erfordern — und Dialog braucht Raum.
Für Migration Matters markierte dieses neue Veranstaltungsformat einen wichtigen Meilenstein. Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen, um gemeinsam über Narrative, Bildung und systemischen Wandel nachzudenken, fühlte sich zugleich inspirierend und notwendig an.
Wir sind allen dankbar, die ihre Perspektiven und ihre Energie in diesen Abend eingebracht haben, und freuen uns darauf, in Zukunft weitere Räume wie diesen zu schaffen.
Vielen Dank an das International Alumni Center für die Gastfreundschaft und an die Deutsche Postcode Lotterie für ihre Unterstützung, die diesen Abend möglich gemacht hat.
Fotos: Allan Whyte
