Von der Forschung zum Storytelling: Neue Ansätze zum Verständnis von Migration

Migration wird oft als ein einfacher Prozess verstanden, bei dem Menschen von einem Herkunftsland in ein Zielland ziehen. In Wirklichkeit ist sie jedoch weitaus komplexer — geprägt von unterschiedlichen Beweggründen, sich überschneidenden Migrationswegen und sich ständig wandelnden politischen Rahmenbedingungen.

Vom 15. bis 17. April brachte das Global Migration Institute an der Toronto Metropolitan University Forschende und Praktiker*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um diese Komplexitäten auf der Konferenz „Rethinking Complex Migration: Flows, Frames, and Futures“ zu untersuchen. Im Laufe der drei Tage reichten die Diskussionen von Migrationspolitik und Diplomatie über die Rolle neuer Technologien wie Big Data und KI bis hin zur wachsenden Bedeutung kreativer und partizipativer Forschungsmethoden. Ein zentrales Thema der Konferenz war die Notwendigkeit, Migration in einer zunehmend vernetzten Welt neu zu denken — sowohl in der Forschung als auch in ihrer gesellschaftlichen Vermittlung und Wahrnehmung.

Im Rahmen der Konferenz nahm unsere Kollegin Bernadette Klausberger an einer Roundtable-Diskussion zu partizipativen kreativen Methoden teil. Dabei sprach sie über die Storytelling-Projekte von Migration Matters sowie die Zusammenarbeit zwischen Forschenden, Filmemacher*innen und Migrant*innen und ging dabei einer zentralen Frage nach: Welchen Beitrag können Storytelling und Film zur Wissensproduktion in der Migrationsforschung leisten?

Um dies zu veranschaulichen, zeigte Bernadette den Trailer sowie einen Ausschnitt aus Stories of Return: Asmir – Back to Bosnia? Back to Berlin!” , einem migrantischen Porträt aus unserer Videoserie „Rethinking Return Migration“ sowie Einblicke aus Migrant Lives in Pandemic Times, einem digitalen Storytelling-Projekt, das wir 2021 mitgeleitet haben und das Forschende, Filmemacher*innen und Migrant*innen zusammenbrachte. Diese Beispiele eröffneten eine Diskussion über die Schnittstellen zwischen Film und Migrationsforschung — und darüber, wie kreative Ansätze unser Verständnis gelebter Erfahrungen vertiefen können.

Die Roundtable-Diskussion führte zu einem lebendigen und engagierten Austausch. Zentrale Erkenntnisse waren unter anderem:

  • Bewegte Bilder und persönliche Geschichten können Erfahrungsdimensionen sichtbar machen, die schriftliche Forschung allein oft nicht erfassen kann.
  • Storytelling ist nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch eine Methode, die neue empirische Erkenntnisse hervorbringen kann.
  • Co-Kreation steht im Mittelpunkt — der Prozess ist dabei genauso wichtig wie das Ergebnis.
  • Ethische Verantwortung ist zentral: gegenüber den Menschen, die ihre Geschichten teilen, ebenso wie bei der Darstellung von Unsicherheiten auf eine Weise, die zugänglich und ehrlich bleibt.
  • Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle: Wie können wir sicherstellen, dass diese Geschichten weiterleben und in unterschiedlichen Kontexten Resonanz finden?

Diese Gespräche machten einen wichtigen Punkt deutlich: Migration lässt sich nicht auf eine einfache Bewegung von einem Ort zum anderen reduzieren. Sie wird von komplexen Realitäten geprägt, und ihr Verständnis erfordert ebenso differenzierte Ansätze.

Wir danken dem Global Migration Institute und Anna Triandafyllidou für die Möglichkeit, unsere Arbeit zu teilen, Ideen auszutauschen und von anderen in diesem Bereich zu lernen.